Die Tür, die vor der Nase zufällt – was fehlende Achtsamkeit mit Projektteams macht

6 min.

Summary

Eine Tür, die einem gegen die Hand fällt, ist eine Kleinigkeit. Ob solche Unachtsamkeit gegenüber anderen wirklich zunimmt, ist in der Forschung umstritten. Gut belegt ist dagegen, was sie anrichtet. Sie steckt an, kostet Konzentration und bremst den Informationsfluss im Team. Meine These ist, dass sie bereits in unser Berufsleben hineinwirkt, und für Projekte ist das ein echtes Problem.

Was ist passiert?

Samstag, 24. Oktober, in einem Laden in Mainz. Ein Bekleidungsgeschäft. Niemand hat die Tür aufgehalten, niemand hat sich umgedreht. Die Tür ist mir gegen die Hand gefallen. Ich war frustriert. Und ich habe mir Sorgen um die Zukunft gemacht.

Drinnen sah es aus wie in einer Rumpelkammer. Mehrere Kundinnen und Kunden schoben ordentlich gestapelte Kleidung Teil für Teil zur Seite, um nach ihrer Größe zu schauen. Das Beitragsbild ist mein Foto und zeigt, wie es dort aussah.

Ähnliches beobachte ich auch auf der Straße. Meine These ist, dass diese wachsende Unachtsamkeit gegenüber anderen längst ins Berufsleben hinüberwirkt. Das halte ich für ein großes Problem. Also habe ich nachgeschaut, was die Forschung dazu sagt.

Wird es wirklich schlimmer?

Das Gefühl teilen viele. In einer Befragung des Pew Research Center (2025, rund 9.600 Erwachsene in den USA) sagten 47 Prozent, die Menschen seien in der Öffentlichkeit seit der Pandemie unhöflicher geworden. 44 Prozent sahen keinen Unterschied.

Am Arbeitsplatz sieht es ähnlich aus. Christine Porath und Christine Pearson berichteten 2013 in der Harvard Business Review, dass 1998 ein Viertel der Befragten mindestens einmal pro Woche unhöflich behandelt wurde. 2011 war es die Hälfte. Das sind allerdings Selbstauskünfte und keine repräsentative Zeitreihe.

Und dann gibt es den Gegenbefund. Adam Mastroianni und Daniel Gilbert haben 2023 in Nature Umfragen mit über 12 Millionen Befragten ausgewertet. Menschen in mindestens 60 Ländern glauben seit mindestens 70 Jahren, dass die Moral verfällt. Fragt man aber nach konkretem Verhalten, etwa ob jemand am Vortag respektvoll behandelt wurde, ändert sich über die Jahrzehnte kaum etwas. Die Erklärung der beiden ist, dass uns Negatives stärker auffällt und wir Negatives aus der Vergangenheit schneller vergessen.

Was heißt das für meine Beobachtung? Sie ist real. Ob sie einen Trend zeigt, ist offen. Sicher ist, was Unachtsamkeit dort anrichtet, wo sie passiert.

Was macht Unhöflichkeit mit uns?

Hier ist die Forschung erstaunlich eindeutig.

Unhöflichkeit steckt an. Trevor Foulk, Andrew Woolum und Amir Erez zeigten 2016 in drei Studien, dass schon eine einzige Episode reicht. Wer sie erlebt, wird anschließend selbst eher unhöflich. Auch gegenüber Menschen, die damit nichts zu tun hatten.

Sie färbt den ganzen Tag. Woolum und Kollegen begleiteten 2017 insgesamt 81 Fach- und Führungskräfte über zehn Arbeitstage. Wer morgens Unhöflichkeit nur beobachtete, nahm den Tag über mehr davon wahr, kam mit seinen Aufgaben schlechter voran und zog sich eher aus Kontakten zurück.

Schon das Zusehen kostet. Porath und Erez zeigten 2009 in Experimenten, dass Menschen, die nur beobachten, wie jemand herablassend behandelt wird, Aufgaben schlechter lösen, weniger kreativ sind und weniger helfen.

Und es kostet die Organisation. In der Befragung von Porath und Pearson (2013) mit 800 Beschäftigten gaben 48 Prozent an, ihren Einsatz absichtlich reduziert zu haben. 80 Prozent verloren Arbeitszeit, weil sie über den Vorfall grübelten. 25 Prozent ließen ihren Frust an Kunden aus.

Hier liegt für mich die Brücke zu meiner These. Belegt ist, dass eine einzelne Erfahrung über Stunden nachwirkt und weitergegeben wird. Nicht belegt ist, dass eine rauere Öffentlichkeit die Arbeitskultur dauerhaft verändert. Das bleibt meine Beobachtung. Aber wer morgens eine Tür gegen die Hand bekommt, sitzt eine Stunde später im Daily.

Warum werden wir unachtsam?

Meistens nicht aus Bosheit. Drei Erklärungen halte ich für plausibel.

Eile. 1973 schickten John Darley und Daniel Batson Theologiestudenten zu einem Vortrag, einige davon über den barmherzigen Samariter. Unterwegs lag ein Mann hilflos am Boden. Ohne Zeitdruck halfen 63 Prozent, unter großem Zeitdruck nur 10 Prozent. Das Thema des Vortrags machte keinen Unterschied. Die Studie ist alt und klein (40 Teilnehmer). Das Muster kennt trotzdem jeder.

Überlastung. In Poraths Befragungen nannte die Hälfte derer, die selbst unhöflich waren, Überlastung als Grund. Nur 4 Prozent sagten, es mache Spaß (Georgetown University, 2018).

Unordnung als Norm. Kees Keizer und Kollegen zeigten 2008 in Science mit Feldexperimenten in Groningen, dass sichtbare Regelverstöße weitere nach sich ziehen. Vor einer sauberen Wand ließen 33 Prozent einen Werbezettel einfach fallen, vor einer Wand mit Graffiti 69 Prozent. Zu Kleiderstapeln hat niemand geforscht. Die Analogie zum Laden liegt trotzdem nahe. Wo es schon aussieht wie in einer Rumpelkammer, schiebt der Nächste eben auch zur Seite.

Was heißt das für Projekte?

Projekte leben von Informationen, die Menschen freiwillig teilen. Ein Risiko, das jemand früh anspricht. Eine Frage, die sich jemand zu stellen traut. Ein Fehler, der gemeldet wird, bevor er teuer wird.

Genau das leidet. Arieh Riskin und Kollegen ließen 2015 insgesamt 24 Teams aus der Neonatologie eine Notfallsimulation bearbeiten. Ein angeblicher externer Experte machte nebenbei ein paar milde abfällige Bemerkungen, die mit der Leistung der Teams nichts zu tun hatten. Diagnose und Behandlung wurden schlechter. Die Unhöflichkeit allein erklärte fast 12 Prozent der Leistungsunterschiede. Der Grund war, dass die Teams weniger Informationen teilten und seltener um Hilfe baten.

Amy Edmondson nennt das, was dort verloren geht, psychologische Sicherheit. In ihrer Studie von 1999 mit 51 Teams förderte das gemeinsame Gefühl, im Team zwischenmenschliche Risiken eingehen zu können, das Lernen. Und das wiederum die Leistung.

Auch die ICB4 der IPMA beschreibt diese Haltung als Kompetenz. Im Kompetenzelement „Beziehungen und Engagement“ stehen etwa „Durch Zuhören, Verständnis und Unterstützung Empathie zeigen“ und „Vertrauen und Respekt zeigen, indem andere ermutigt werden, ihre Meinungen und Bedenken zu äußern“. Achtsamkeit ist für uns also Teil der Projektkompetenz.

Meiner Meinung nach hat die Projektleitung hier die Rolle des Ladeninhabers. Sie prägt, was im Team als normal gilt. Durch das, was sie tut, und durch das, was sie durchgehen lässt.

Was hilft?

Die gute Nachricht ist, dass sich Achtsamkeit üben lässt. Paul Condon und Kollegen (2013) zeigten das in einem Experiment. Nach acht Wochen Meditationstraining bot die Hälfte der Teilnehmenden einer Frau auf Krücken ihren Sitzplatz an, in der Vergleichsgruppe nur 15 Prozent. Und das, obwohl zwei andere Wartende die Frau ignorierten.

Ein Wundermittel ist sie nicht. Eine Metaanalyse von Vonderlin und Kollegen (2020, 56 randomisierte Studien) zeigt, dass Achtsamkeitsprogramme am Arbeitsplatz Stress senken und das Wohlbefinden verbessern. Für höhere Produktivität gibt es keinen robusten Beleg. Die Autoren warnen außerdem davor, Achtsamkeit zu nutzen, um unzufriedene Beschäftigte ruhigzustellen. Wer eine Achtsamkeits-App verteilt, die Überlastung aber lässt, hat wenig gewonnen.

Für den Projektalltag sehe ich vor allem kleine Dinge.

  • Zeitreserven einplanen. Wer dauernd in Eile ist, übersieht andere.
  • Meetings pünktlich beginnen und pünktlich beenden. Eine klare Agenda hilft.
  • Im Meeting zuhören, statt nebenher Mails zu lesen. Wie schwer das ist, habe ich im Beitrag zum 4-Ohren-Modell beschrieben.
  • Unhöflichkeit ruhig und zeitnah ansprechen. Wer schweigt, macht sie zur Norm.
  • Gemeinsame Artefakte pflegen. Backlog, Ablage, Protokolle. Sichtbare Unordnung lädt zur nächsten ein.
  • Bei Übergaben kurz zurückschauen. Wer arbeitet nach mir mit meinem Ergebnis weiter?
  • In der Retrospektive auch fragen, wie wir miteinander umgegangen sind.
  • Kleine Gesten. Danke sagen, zurückrufen, Namen kennen.

Und in Zukunft?

Ab hier ist es meine Einschätzung. Projektarbeit wird hybrider und dichter getaktet. Zufällige Begegnungen werden seltener, Nachrichten zwischen zwei Terminen häufiger. Rücksicht wird damit weniger zur Gewohnheit und muss bewusster gepflegt werden. Ob die Unachtsamkeit gesellschaftlich tatsächlich wächst, wird die Forschung zeigen. Für das eigene Team müssen wir darauf nicht warten.

Eine Tür aufzuhalten kostet zwei Sekunden. Was es kostet, sie nicht aufzuhalten, zeigen die Studien oben.

Wo beginnt in Ihrem Projekt die Rumpelkammer? Und wer räumt als Erstes auf?

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Quellen

KI und die Zukunft der PM-Zertifizierung – Was ICB5 ändert und was nicht

8 min.

Summary

Anfang Oktober hat die IPMA die ICB5 vorgestellt, die fünfte Generation ihres Kompetenzstandards für Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement. Künstliche Intelligenz ist darin eines von fünf Querschnittsthemen. Gleichzeitig kann generative KI heute einen Zertifizierungsreport schreiben, der sich formal kaum von einem selbst geschriebenen unterscheidet. Meine These ist, dass KI die Nachweisform verändert, nicht den Kompetenzanspruch. Die Zertifizierung wird sich deshalb vom Dokument hin zum Gespräch verschieben müssen.

Wie kam es zu diesem Beitrag?

Vor wenigen Tagen habe ich auf LinkedIn gefragt: „Brauchen wir künftig noch Projektmanager, die Projektpläne erstellen können?“ Die Diskussion ging schnell über den Projektplan hinaus.

Reichen schriftliche Reports noch als Nachweis? Brauchen wir mehr Präsentation und Fachgespräch? Eine mündliche Prüfung schon auf Level D? Vielleicht sogar Prüfungskarten wie beim früheren ICB3-Verfahren? Und wie viel hängt an der Verbindlichkeit und Reife der Organisationen, in denen zertifizierte Projektmanager später arbeiten?

In einem Kommentar habe ich meine Position in einem Satz zusammengefasst: „KI verändert die Nachweisform, nicht den Kompetenzanspruch.“ Für diese Frage reicht ein Kommentar aber nicht. Deshalb hier etwas ausführlicher. Was steht offiziell fest und was leite ich daraus ab?

ICB5 ist da. In der Prüfung aber noch nicht.

Die ICB4 erschien 2015 und wird in Deutschland seit 2018 für die Zertifizierung genutzt. Ihre Nachfolgerin hat der IPMA Council of Delegates Ende August 2026 verabschiedet. Vorgestellt wurde sie im September auf dem IPMA-Weltkongress in Hiroshima, offiziell gestartet am 2. Oktober 2026 in Zadar. Seit dem 16. Oktober steht sie als digitale Ausgabe über my.ipma kostenlos zur Verfügung, in drei Bänden für Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement.

Das „Eye of Competence“ mit den Bereichen Perspective, People und Practice bleibt. Neu sind unter anderem die Kompetenzelemente Sustainable Stewardship, Digital Enablement sowie Organizational Change and Transformation. Durch alle neuen IPMA-Standards ziehen sich fünf Themen. Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Agilität, KI und Resilienz.

Dazu kommt das „Momentum Model“, welches den Weg von Lieferobjekten über Ergebnisse und Nutzen bis zur langfristigen Wirkung beschreibt. Der Anspruch verschiebt sich also weg von „Projekt geliefert“ hin zu „Wert geschaffen“.

Was heißt das für alle, die gerade eine Zertifizierung planen? Die ICB beschreibt Kompetenzen, nicht das Prüfungsverfahren. Das regeln die internationalen Zertifizierungsregeln der IPMA (ICR) und die nationalen Zertifizierungsstellen, in Deutschland PM-ZERT, die Zertifizierungsstelle der GPM. Deren aktuelle Leitfäden beruhen noch auf der ICB 4.0. Wie schon in meinem LinkedIn-Beitrag beschrieben, kann es mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern, bis die ICB5 in einer Prüfungsrichtlinie umgesetzt ist.

Diese Übergangszeit sehe ich als Chance. Bei der Umsetzung sollten nicht nur die Inhalte neu gedacht werden, sondern auch die Nachweisformen.

Wie wird Kompetenz heute nachgewiesen?

Wer über KI in der Zertifizierung diskutiert, sollte wissen, wie das Verfahren heute aussieht. Bei PM-ZERT gilt nach den aktuellen Leitfäden folgendes.

LevelAnspruch laut LeitfadenNachweisformen
DReine Wissensprüfung: eigenes Projektmanagement-Wissen in allen relevanten Kompetenzen, keine Projekterfahrung erforderlichPfad 1: Report, der das Wissen auf ein reales oder fiktives Projekt anwendet (max. 25 Seiten + 15 Seiten Anhang), schriftliche Prüfung (90 Min.), Feedbackgespräch zum Report (max. 20 Min.) · Pfad 2: zwei schriftliche Prüfungen (je 90 Min.)
CAndere in Projekten mittlerer Komplexität führenReport zu 20 Kompetenzelementen, schriftliche Prüfung (120 Min.), Assessment Center als Rollenspiel/Fallstudie (je nach Verfahrensvariante), Interview (60 Min.) mit 15-minütiger Präsentation
BAndere in komplexen Projekten, Programmen oder Portfolios führenReport, schriftliche Prüfung (180 Min.), Assessment Center, Interview (90 Min.)
AFührung in sehr komplexen Vorhaben auf strategischer EbeneKonformitätsprüfung (Gespräch, ca. 60 Min.), Report (max. 25 Seiten + 15 Seiten Anhang), Workshop mit Assessment Center (Rollenspiel), Interview (90 Min.) mit 15-minütiger Präsentation

Für die KI-Frage sind zwei Details entscheidend.

  • Am Ende des Reports erklärt der Zertifikant, ihn „eigenständig und inhaltlich ohne Mitwirkung Dritter, insbesondere auch nicht mittels einer KI-Software“ angefertigt zu haben.
  • Im selben Text steht, dass sich der bewertende Assessor persönlich davon überzeugen muss, dass der Zertifikant die Arbeit selbst verfasst hat.

Das Verfahren setzt also schon heute auf das Gespräch als Gegenprobe zum Dokument. Was gut ist.

Ab Level C funktioniert das. Assessment Center, Präsentation und Interview prüfen, ob jemand sein Projekt wirklich durchdrungen hat.

Level D ist anders angelegt. Es ist eine reine Wissensprüfung, Projekterfahrung muss nicht nachgewiesen werden. Und genau hier fehlt die Gegenprobe fast vollständig. Im Pfad 1 bleiben maximal 20 Minuten Feedbackgespräch, im Pfad 2 gibt es gar keine mündliche Komponente. Ob jemand das Wissen selbst beherrscht, zeigt sich damit fast nur in der Klausur.

Reicht ein Verbot?

Die KI-Klausel ist richtig und notwendig. Aber sie lässt sich kaum durchsetzen, wenn man sich allein auf das Dokument verlässt. Zwei Studien zeigen das deutlich.

An der University of Reading wurden 2024 vollständig mit GPT-4 geschriebene Prüfungsleistungen unbemerkt in reguläre Online-Prüfungen eines Psychologie-Studiengangs eingeschleust. 94 Prozent blieben unentdeckt. Die KI-Arbeiten erhielten im Schnitt sogar bessere Noten als die der echten Studierenden.

Eine internationale Forschungsgruppe um Debora Weber-Wulff hat 2023 vierzehn Werkzeuge zur Erkennung von KI-Texten getestet, darunter Turnitin. Ihr Fazit ist eindeutig. Die Werkzeuge sind weder genau noch zuverlässig, keines erreichte 80 Prozent Treffsicherheit. Schon leichtes Umformulieren verschlechtert die Erkennung erheblich.

Beides stammt aus der Hochschullehre, nicht aus der PM-Zertifizierung. Lässt sich das übertragen? Meiner Meinung nach ja. Ein Report, der Projektmanagement-Wissen strukturiert auf eine Projektsituation anwendet, ist genau die Textsorte, die Sprachmodelle gut beherrschen. Das gilt für den Wissensnachweis auf Level D ebenso wie für die STAR-Beschreibungen ab Level C. Und je besser die Modelle werden, desto weniger helfen Detektoren.

Was wollen wir eigentlich nachweisen?

Sicherlich nicht, dass jemand einen guten Text über ein Projekt schreiben kann. Auf Level D wollen wir sehen, dass jemand das Projektmanagement-Wissen selbst beherrscht. Ab Level C, dass jemand ein Projekt verantwortlich führen kann. Also Zusammenhänge verstehen, Entscheidungen begründen, mit Widerständen umgehen und aus Fehlern lernen. Genau das beschreiben die Kompetenzelemente und Key Competence Indicators der ICB.

Daran ändert KI nichts. Im Gegenteil. Wenn Projektpläne, Risikolisten und Statusberichte zunehmend von KI-Agenten vorbereitet werden, wird das Urteilsvermögen dahinter wichtiger, nicht unwichtiger. In meinem Beitrag zum Projektmanager im Jahre 2036 habe ich gefragt, wie wir die Grundlagen des Projektmanagements vermitteln, ohne sie durch KI-Abkürzungen zu entwerten. Für die Zertifizierung gilt dieselbe Frage.

Die Hochschulen sind hier einen Schritt weiter. Die University of Sydney arbeitet seit 2025 mit einem „Two-Lane“-Modell. Gesicherte, beaufsichtigte Prüfungen belegen, was jemand ohne Hilfsmittel kann. Offene Formate erlauben ausdrücklich den Einsatz von KI, verlangen aber, ihn offenzulegen.

Übertragen auf die PM-Zertifizierung ist meine Position klar.

  1. Der Report wird zur Gesprächsgrundlage. Er bleibt wichtig, aber als Vorbereitung für das Fachgespräch und nicht als eigenständiger Beweis. Ob KI beim Formulieren geholfen hat, verliert an Gewicht, wenn das Gespräch zeigt, ob jemand versteht, was er geschrieben hat.
  2. Eine mündliche Prüfung schon ab Level D. Dort geht es nicht um Projektpraxis. Es geht darum, dass das Wissen nachweislich selbst beherrscht wird und nicht nur KI-gestützt. Ein kurzes, strukturiertes Fachgespräch, etwa anhand zufällig gezogener Fragen zu Methoden und Zusammenhängen, ist ein überschaubarer Aufwand mit großer Wirkung.
  3. KI-Nutzung offenlegen statt nur verbieten. Wer mit KI arbeitet, beschreibt, wofür und wie er die Ergebnisse geprüft hat. Das ist selbst ein Kompetenznachweis und passt zum neuen Kompetenzelement Digital Enablement.
  4. Live-Situationen stärken. Assessment Center und Rollenspiele zeigen Verhalten unter realen Bedingungen. Dort lässt sich KI nicht unbemerkt einsetzen, auch heute nicht. Eigene vorbereitete Unterlagen oder Laptops sind im Rollenspiel ausdrücklich ausgeschlossen.

Für diese vier Punkte setze ich mich ein. Angekündigte Änderungen der Prüfungsordnung sind sie nicht.

Verbindlichkeit beginnt in der Organisation

In der Diskussion kam ein weiterer Punkt auf, der meiner Meinung nach unterschätzt wird. Selbst die beste Prüfung nützt wenig, wenn die Organisation das Zertifikat nicht mit Verantwortung verbindet.

Ein Zertifikat belegt eine Kompetenz zu einem Zeitpunkt. Ob sie im Alltag wirkt, hängt davon ab, ob es klare Rollen, entscheidungsfähige Lenkungsgremien und eine gelebte Projektkultur gibt. Darüber habe ich bereits in den Beiträgen zu Lenkungsgremien und zu Transformation und Projektkultur geschrieben.

Auch die IPMA sieht diesen Zusammenhang. Gemeinsam mit der ICB5 hat sie die Organizational Competence Baseline (OCB2) neu aufgelegt, deren fünfstufige Klassifizierung Organisationen hilft, ihren Kompetenzstand einzuschätzen. Für mich gehören beide Perspektiven zusammen. Wenn KI das Erstellen von Projektdokumenten vereinfacht, müssen Organisationen umso klarer festlegen, wer für den Inhalt einsteht. Ein Teilnehmer des GPM Focus Workshops im März hat es so formuliert: „Accountable ist immer der Mensch.“

Und was macht das PMI?

Ergänzung vom 25.10.2026

Fast zeitgleich mit der ICB5 hat auch das Project Management Institute (PMI) nachgelegt. Am 22. Oktober 2026 hat es auf seinem Global Summit in Detroit neue Angebote vorgestellt. Zwei davon passen direkt zu den Fragen dieses Beitrags.

  • Advanced Project Leader (APL) ist eine neue globale Zertifizierung für erfahrene Projektfachleute. Sie sollen nachweisen, dass sie komplexe Vorhaben mit hoher Tragweite führen können. Vergeben wird sie über Partnerorganisationen, deren interne Programme für fortgeschrittene Praktiker das PMI gegen seine eigenen Standards prüft.
  • „PMI Foundations: Agentic AI for Project Professionals“ ist ein E-Learning. Es soll Projektfachleuten das Wissen und das Urteilsvermögen vermitteln, KI-Agenten verantwortungsvoll abzugrenzen, zu überwachen und zu steuern, auch ohne Programmierkenntnisse. In einem „Build Lab“ bauen die Teilnehmenden selbst einen Agenten.

Interessant ist eine Zahl aus einer eigenen Erhebung des PMI. 69 Prozent der befragten Projektfachleute nutzen KI bereits, um Inhalte, Dokumentation und Projektergebnisse zu erstellen. Wie die Erhebung angelegt war, nennt die Pressemitteilung nicht. Die Richtung bestätigt aber, worum es oben im Abschnitt „Reicht ein Verbot?“ ging. Dokumente allein werden als Nachweis schwächer.

Aus Sicht der ICB5 sehe ich zwei Parallelen. Auch das PMI setzt beim APL auf nachgewiesene Fähigkeit in komplexen Vorhaben und bindet dafür die Organisationen ein, in denen sie gezeigt wird. Das passt zu dem, was ich zur Verbindlichkeit in der Organisation geschrieben habe. Und das PMI behandelt KI-Agenten als Steuerungs- und Führungsaufgabe für Projektleute, nicht als IT-Thema. Bei der IPMA ist KI eines der fünf Querschnittsthemen, dazu kommt das neue Kompetenzelement Digital Enablement.

Der Unterschied liegt im Aufbau. Die ICB beschreibt Kompetenzen, das Prüfverfahren regeln die Zertifizierungsstellen. Das PMI bringt Zertifizierung und Lernangebot selbst mit. Wie genau beim APL geprüft wird, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Für die Frage dieses Beitrags, Dokument oder Gespräch, ist das aber der entscheidende Punkt. Der bleibt vorerst offen.

Was bedeutet das für die nächsten Jahre?

Hier wird es spekulativ. Das sind Szenarien, keine Fakten.

  • Zertifikanten werden heute noch nach ICB4 geprüft. Wer die ICB5 schon jetzt liest, versteht aber, wohin sich der Anspruch bewegt. Hin zu Wirkung, Nachhaltigkeit und dem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Werkzeugen.
  • Für Zertifizierungsstellen und Assessoren ist die Umstellung auf die ICB5 der natürliche Zeitpunkt, die Nachweisformen zu überprüfen. Je mehr Gewicht auf Gespräch und Live-Situation liegt, desto stärker zählen Qualifizierung und Kalibrierung der Assessoren.
  • Unternehmen bleibt die Frage, wie Projektverantwortung in der eigenen Organisation verankert ist. Die beantwortet kein Zertifikat. Mit KI wird sie drängender.

Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Zertifizierung, die Kompetenz im Gespräch prüft, durch KI nicht entwertet wird. Sie wird glaubwürdiger. Eine Zertifizierung, die sich vor allem auf Dokumente stützt, wird es dagegen schwer haben.

Bleibt eine Frage, über die wir als Community offen sprechen sollten. Welcher Nachweis wird in zehn Jahren noch belegen, dass jemand ein Projekt wirklich führen kann? Und wie viel davon muss ohne KI erbracht werden?

Wie sehen Sie das?

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Quellen

Projektmanager im Jahre 2036

5 min.

Summary

Im Januar 2018 habe ich in diesem Blog gefragt, ob es den Projektleiter im Jahre 2030 noch geben wird. Acht Jahre später ist die Antwort komplexer als erwartet – denn eine Variable hat alles verändert: Künstliche Intelligenz. Nicht als Werkzeug. Sondern als Teammitglied. Ein rollierendes Update.

2018 schrieb ich von Robotern in der Pflege, Fleisch aus dem Labor und dem Ende des Smartphones. Manches davon ist eingetreten, manches nicht in der prognostizierten Form. Aber der eigentlich disruptive Faktor stand damals noch gar nicht im Raum: dass KI-Agenten eigenständig priorisieren, Vorentscheidungen treffen und Aufgaben ausführen – und dass dies eine fundamentale Führungsfrage wird, keine IT-Frage.

Was sich seit 2018 verändert hat

Im Originalbeitrag habe ich mit dem Maßstab der Wochen argumentiert, wie es Zukunftsforscher tun. 50 Wochen pro Jahr, damals 597 Wochen bis 2030. Heute, im April 2026, sind davon noch 184 übrig. Und in den 413 Wochen, die seitdem vergangen sind, hat sich mehr verändert als in den Jahrzehnten zuvor.

2018 gab es kein ChatGPT, keine KI-Agenten, kein Claude, kein Midjourney. Die agile Transformation galt als das große Thema. Heute ist sie Tagesgeschäft – und das neue Thema heißt: Wie führe ich ein Team, in dem nicht alle Mitglieder Menschen sind?

Der neue Maßstab: 500 Wochen bis 2036

Bis 2036 sind es noch rund 500 Wochen. Wieder derselbe Zeitraum wie damals von 2018 auf 2030. Und wieder die Frage: Was wird in 500 Wochen anders sein?

In 500 Wochen wird jeder Projektmanager einen persönlichen KI-Agenten haben – nicht als Experiment, sondern als festen Bestandteil seines Arbeitsalltags. In 500 Wochen werden Projektstatusberichte nicht mehr von Menschen geschrieben, sondern von Agenten generiert und vielleicht noch von Menschen validiert. In 500 Wochen werden Entscheidungsvorlagen in Lenkungsausschüssen KI-gestützte Szenarioanalysen enthalten – als Standard, nicht als Innovation. In 500 Wochen werden Risikobewertungen in Echtzeit aktualisiert, nicht mehr monatlich in einer Excel-Tabelle gepflegt. In 500 Wochen werden Projektmanager Delegation nicht mehr nur an Menschen verstehen, sondern an Mensch-KI-Konstellationen. In 500 Wochen wird die Frage „Wer hat das entschieden – du oder die KI?“ eine der meistgestellten Fragen in Retrospektiven sein. In 500 Wochen …

All diese Veränderungen werden nicht über Nacht kommen. Sie kommen in Wochen. Und einige davon sind bereits heute Realität.

Hybrid Intelligence Leadership: Ein neuer Führungsbegriff

2018 sprach ich davon, dass Leadership wichtiger wird als Leitung. Das stimmt immer noch. Aber es reicht nicht mehr. Denn die Führungsrealität hat sich fundamental erweitert.

Beim GPM Focus Workshop im März 2026 in Frankfurt haben wir genau das erarbeitet: Rund zwanzig Projektleiter und Projektleiterinnen in zwei Workshops saßen zusammen, um den Future Leadership Canvas durchzuarbeiten. Fünf Dimensionen: Leadership in Mensch-KI-Teams (Hybrid Intelligence Leadership), Vertrauen und Verantwortung, organisatorische Adaptivität, Ethik und Alignment, Kompetenz-Transformation. Das ehrliche Ergebnis der Vertrauensumfrage: Die meisten Teilnehmenden stehen noch auf Stufe eins bis zwei. Zuarbeit und Entwürfe durch KI – ja. Autonomes Handeln der KI – noch nicht.

Aber die Richtung ist eindeutig.

Ich nenne diesen neuen Führungsansatz „Hybrid Intelligence Leadership“. Dies bedeutet: Führung, die durch KI erweitert wird. Nicht ersetzt. Der Mensch bleibt Pilot. Die KI ist Co-Pilot. Aber wer definiert die Flugroute? Das ist die zentrale Führungsfrage der nächsten 500 Wochen.

KI als ethische Führungsfrage

Im Originalbeitrag ging es um Transformation versus Revolution. Heute geht es um Delegation versus Kontrolle.

Im Workshop in Frankfurt haben wir ein Experiment durchgeführt: Dieselbe ethisch fragwürdige Aufgabe – eine E-Mail formulieren, die ein Problem gegenüber einem Kunden herunterspielt – wurde an verschiedene KI-Modelle gegeben. Ein Modell hat dreimal verweigert und einen Eskalationsweg vorgeschlagen. Ein anderes hat sofort formuliert, mit einem kurzen Hinweis auf die Kritikalität – aber ohne zu zögern.

Gleiches Szenario. Völlig anderes Verhalten.

Das ist kein technisches Detail. Das ist ein Führungsthema. Denn wenn unterschiedliche KI-Modelle unterschiedliche ethische Leitplanken haben, dann muss die Führungskraft wissen, welches Modell sie einsetzt – und warum. Das ist eine neue Kompetenz, die kein PM Framework bisher abbildet.

Anforderungen an den Projektmanager in 2036

In meinem Beitrag von 2018 schrieb ich, dass der visionäre Projektmanager, der eine Idee allein treibt, so nicht mehr existieren wird. Das hat sich bestätigt. Was ich unterschätzt habe: Wie schnell die Teamleistung um eine nicht-menschliche Komponente erweitert wird.

Der Projektmanager im Jahr 2036 wird folgende Kompetenzen brauchen, die heute noch kaum in Curricula auftauchen:

1. KI-Delegation. Nicht Prompting im Sinne von „eine gute Frage stellen“. Sondern die Fähigkeit, Aufgaben, Entscheidungsrahmen und Eskalationspfade für KI-Agenten zu definieren. So wie ein Programm-Manager heute Arbeitspakete an Projektleiter delegiert, wird er in 2036 Arbeitspakete an KI-Agenten delegieren – mit klaren Leitplanken.

2. Ethische Urteilsfähigkeit gegenüber KI-Ergebnissen. Die Fähigkeit, zu erkennen, wann ein KI-Output zwar korrekt, aber nicht angemessen ist. Wann Effizienz auf Kosten von Integrität geht.

3. Vertrauenskalibrierung. Wie viel Vertrauen schenke ich welchem KI-Agenten in welchem Kontext? Das ist keine binäre Frage. Es ist ein Spektrum, das ständig neu bewertet werden muss.

4. Systemisches Denken über Mensch-KI-Grenzen hinweg. Der Projektmanager in 2036 wird verstehen müssen, wo menschliche Kreativität unersetzbar ist und wo KI-Geschwindigkeit entscheidend wird – und wie beides in einem Projektplan zusammenwirkt.

Der junge Projektmanager in 2036

2018 schrieb ich über das Handicap des jungen Projektmanagers: fehlende Gesellenjahre, weil operative Tätigkeiten nearshore oder offshore verlagert wurden. Dieses Problem hat sich verschärft – und gleichzeitig verschoben.

Der junge Projektmanager in 2036 wird keine Welt mehr kennen, in der KI nicht existierte. Das ist sein Vorteil und sein Risiko zugleich. Der Vorteil: Er wird KI-Agenten so selbstverständlich einsetzen wie meine Generation E-Mail. Das Risiko: Er wird möglicherweise nie gelernt haben, ein Risiko selbst einzuschätzen, einen Statusbericht selbst zu schreiben oder eine schwierige Stakeholder-Situation ohne KI-Unterstützung zu navigieren.

Die Herausforderung für die Ausbildung wird sein: Wie vermitteln wir die Grundlagen des Projektmanagements, ohne sie durch KI-Abkürzungen zu entwerten? Wie stellen wir sicher, dass jemand, der noch nie ein Gantt-Chart von Hand gezeichnet hat, trotzdem versteht, was kritischer Pfad bedeutet?

Unternehmensführung und Gremien in 2036

Im Originalbeitrag forderte ich, dass Portfolio-Boards und Lenkungsausschüsse ihrem definierten Anspruch gerecht werden müssen. Acht Jahre später muss ich feststellen: Der Anspruch ist immer noch nicht erfüllt. Es gibt immer noch Handlungsbedarf. Mehr denn je.

Aber es gibt auch eine neue Chance. Denn KI kann genau die informierte Entscheidungsfindung unterstützen, die ich 2018 eingefordert habe. Szenarioanalysen, die früher Wochen gedauert haben, sind in Minuten verfügbar. Marktdaten, die früher aufwändig recherchiert werden mussten, liefert ein Agent in Echtzeit. Die Frage ist nicht mehr, ob Gremien bessere Entscheidungsgrundlagen haben können. Die Frage ist, ob sie bereit sind, diese auch zu nutzen.

Transformation bleibt. Der Treiber wechselt.

2018 schrieb ich: Der Projektleiter wird viel in Transformationsvorhaben mitarbeiten und bei mutigen Geschäftsführungen durch schnelles Platzieren neuer Vorhaben zur Revolution beitragen. Das gilt weiterhin. Aber der Treiber der Transformation hat sich verändert. War es 2018 die Digitalisierung, so ist es 2026 die Augmentation – die Erweiterung menschlicher Fähigkeiten durch KI.

Und so wird es auch 2036 sein. Der Projektmanager wird nicht obsolet. Aber seine Rolle wird eine andere sein: weniger Steuerung, mehr Orchestrierung. Weniger Kontrolle, mehr Kalibrierung. Weniger Einzelkämpfer, mehr Dirigent eines Ensembles aus Menschen und Maschinen.

Oder wie ein Teilnehmer meines Workshops es auf den Punkt brachte: „Accountable ist immer der Mensch. Responsible kann Mensch oder KI sein – abhängig von Aufgabe und Komplexität.“

In 500 Wochen werden wir wissen, ob wir diesen Satz ernst genommen haben.

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Mein KI-Assistent: Was nach drei Wochen Echtbetrieb wirklich funktioniert — und was nicht

12 min.

Summary

Ich habe mir einen KI-gestützten persönlichen Assistenten aufgebaut — keinen Chatbot auf Abruf, sondern ein System, das proaktiv mitarbeitet. Nach einem Monat Echtbetrieb zieht dieser Artikel eine ehrliche Bilanz: Was funktioniert, was mich überrascht hat, wo die Grenzen liegen — und was das Ganze mit gutem Projektmanagement zu tun hat.

Ich werde regelmäßig gefragt, wie ich mich selbst organisiere. Einen Artikel dazu habe ich hier schon vor einigen Jahren geschrieben. Seitdem hat sich einiges verändert — und der größte Einschnitt war nicht ein neues Tool, sondern ein anderer Ansatz: Ich habe mir einen KI-gestützten persönlichen Assistenten aufgebaut. Keinen Chatbot, den man bei Bedarf öffnet. Sondern etwas, das permanent im Hintergrund läuft und proaktiv arbeitet.

Dieser Artikel ist kein Technologiebericht und kein Produktvergleich. Es ist ein ehrlicher Erfahrungsbericht nach nahezu drei Wochen Echtbetrieb — mit allem, was funktioniert hat, was mich überrascht hat, und wo die Grenzen liegen.

Wie es dazu kam

Ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit KI — beruflich im Transformation Management, ehrenamtlich in der GPM, und privat als jemand, der einfach neugierig ist. Irgendwann wurde mir klar, dass ich KI immer noch hauptsächlich reaktiv nutze: Ich stelle eine Frage, bekomme eine Antwort, das war es. Das ist ungefähr so, als hätte man einen Mitarbeiter, den man nur anspricht, wenn man ihn aktiv im Büro aufsucht — der Rest der Zeit sitzt er einfach da.

Die eigentliche Frage, die mich beschäftigt hat: Kann ein KI-System proaktiv mit mir arbeiten, so wie ein gut eingespielter menschlicher Assistent? Einer, der morgens schon weiß, was heute dran ist. Der mir nach einem Meeting die Kernpunkte zusammenfasst. Der eine Recherche anstößt, bevor ich frage.

Der Aufbau hat einige Wochen technische Einrichtungsarbeit gekostet — ich habe dabei mit verschiedenen Softwareklassen gearbeitet: Aufgabenverwaltung, Kommunikationsplattformen, KI-Sprachmodellen, Automatisierungsdiensten und Meeting-Transkriptionstools. Wenn ich den Stand heute zusammenfassen müsste: Es funktioniert. Nicht reibungslos, aber weit besser als ich erwartet hatte.

Was tatsächlich im Einsatz ist

Ich nenne meinen Assistenten Max. Das klingt vielleicht albern, hat aber einen praktischen Grund: Es hilft mir, klarer zu formulieren, was ich von ihm erwarte. „Max, bereite das Meeting vor“ ist präziser als „Bereite das Meeting vor“ in einen Prompt zu tippen.

Max kommuniziert mit mir ausschließlich über eine Messaging-App. Keine Oberfläche, kein Dashboard. Er schickt mir morgens ein Briefing, ich antworte wenn ich etwas brauche, er handelt. Das ist die Grundidee. Was konkret im Einsatz ist:

Tagesstart: Jeden Morgen erhalte ich ein strukturiertes Briefing mit meinen heutigen und überfälligen Aufgaben — nach meinen Projekten gruppiert, mit direkten Links in mein Aufgabenmanagementsystem. Das klingt banal, macht aber einen echten Unterschied. Früher habe ich das selbst zusammengestellt, was je nach Aufgabenlage 10–15 Minuten gedauert hat. Das passiert jetzt automatisch, täglich, ohne dass ich etwas tun muss.

Meeting-Analyse: Ich nutze ein Transkriptionstool, das meine Gespräche zum Beispiel für die Fachgruppe bei der GPM aufzeichnet und strukturiert. Max hat Zugriff auf diese Protokolle und kann mir nach einem Gespräch die Essenz in zwei bis drei Sätzen liefern — oder mir vor einem Folgegespräch die offenen Punkte aus dem letzten Meeting aufzeigen. Beides funktioniert sehr gut, sofern die Protokolle vollständig vorliegen. Es gab Fälle, in denen Max behauptet hat, eine Session sei nicht vorhanden, obwohl sie existierte — weil er nicht proaktiv nachgeschaut hat. Das musste ich durch klare Regeln abstellen. Dazu später mehr.

Recherche und Vorbereitung: Ich habe Max auf ein selbst gehostetes Suchsystem angebunden. Er kann damit eigenständig nach aktuellen Themen suchen — für tägliche News-Briefings zu KI und Projektmanagement, aber auch für konkrete Vorbereitungen. Vor einem Telefonat mit einem Strategiepartner hat er dessen aktuelle YouTube-Themen zusammengefasst, die logischen nächsten Schritte aus unserem letzten Gespräch aufgelistet und daraus Diskussionspunkte abgeleitet. Das hat mir mindestens eine Stunde Vorbereitung gespart.

E-Mail: Max hat Zugriff auf ein eigenes E-Mail-Konto. Er sendet aber nie autonom — das war von Anfang an eine klare Regel. Er zeigt mir immer zuerst den Entwurf, wartet auf meine Bestätigung und sendet erst dann. Bei einer der ersten Testmails hat er behauptet, die Mail sei gesendet worden, ohne sie tatsächlich gesendet zu haben. Ich habe das sofort bemerkt und den echten Sendebefehl eingefordert. Seitdem läuft es korrekt, aber die Episode zeigt: Vertrauen muss verdient werden, auch bei KI-Systemen.

Personen-Recherche: Vor Meetings mit neuen Gesprächspartnern sucht Max nach deren beruflichem Hintergrund, aktuellen Positionen, Schwerpunkten. Das ist kein Deep Research, aber eine solide Grundlage. Was er nicht konnte: Persönliche Präferenzen (Lieblingsrestaurant, Essgewohnheiten) aus sozialen Medien zuverlässig herauslesen. Da hat er es versucht, nichts Verwertbares gefunden und transparnt kommuniziert — das finde ich richtig.

Was mich überrascht hat

Ich hatte erwartet, dass der technische Aufbau die größte Herausforderung wäre. Das stimmt nicht. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, das Verhalten des Systems klar zu definieren — und zwar schriftlich, in Form von Regeln und Prinzipien, die Max immer kennt.

Einige Erkenntnisse, die ich so nicht vorhergesehen hatte:

KI-Systeme müssen lernen, proaktiv zu handeln. Ich musste Max mehrfach darauf hinweisen, dass er bei verfügbaren Datenquellen zuerst selbst nachschauen soll, bevor er mich fragt. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Die Standardreaktion war zunächst: Fragen statt handeln. Heute funktioniert das besser, weil ich diese Erwartung explizit festgehalten habe.

Halluzination ist real, aber kontrollierbar. In einem Fall hat Max ein Meeting-Protokoll mit scheinbar konkreten Inhalten zusammengefasst — nur dass es dieses Meeting so nicht gab. Der Auslöser: Er hatte keine echten Daten, hat aber trotzdem geantwortet. Die Lösung war technisch einfach: Erst die Datei speichern, dann analysieren. Seitdem ist das Problem nicht mehr aufgetreten.

Sicherheitsregeln müssen explizit sein. „Sende keine E-Mails ohne Bestätigung“ klingt offensichtlich. Aber wenn man es nicht aufschreibt, hält sich das System nicht daran. Ich habe schriftliche Regeln für alle Aktionen mit Außenwirkung definiert: immer erst zeigen, dann warten, dann handeln. Das ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung.

Das System lernt — aber braucht Anstöße. Max hat in einem Fall eine Triage-Aufgabe gelöst, die Mustererkennung erfordert hat, mit einem einfachen Suchalgorithmus statt mit einem Sprachmodell — weil er nicht die Ambitionsstufe gewählt hat, die ich erwartet hatte. Ich habe das zurückgewiesen und eine Regel eingeführt: Wenn eine Aufgabe sprachliche Bewertung erfordert, nutze immer ein KI-Modell. Das funktioniert jetzt. Aber es war meine Rückmeldung, die das ausgelöst hat.

Was nach wie vor Grenzen hat

Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, dass alles reibungslos läuft. Ein ehrlicher Bericht muss auch die Grenzen benennen.

Echtzeitdaten sind limitiert. Ich habe Max an ein selbst betriebenes Suchsystem angebunden, das auf verschiedene Suchmaschinen zurückgreift. Das funktioniert gut — bis das System an Anfragelimits stößt. In solchen Momenten fällt Max auf sein Trainingswissen zurück. Das ist transparenter als ein stilles Versagen, aber es bedeutet, dass Recherche-Ergebnisse manchmal nicht aktuell sind.

Restaurant-Reservierungen per Telefon sind mühsam. Max kann recherchieren und Empfehlungen geben, aber Anrufe tätigen kann er (noch) nicht. Online-Reservierungen hat er versucht — mit gemischten Ergebnissen, je nachdem wie die entsprechende Website gebaut ist. Da ist noch Luft nach oben.

Aufgaben ohne Projektzuordnung machen Probleme. Ich habe viele Aufgaben in meinem Aufgabenmanagementsystem, die keinem Projekt zugeordnet sind. Max hat anfangs versucht, diese heuristisch zuzuordnen — mit teils falschen Ergebnissen. Die richtige Lösung war einfach: Aufgaben ohne Projekt gehören in den Eingang, fertig. Aber bis ich das explizit festgelegt hatte, hat das System eigene Annahmen getroffen.

Was das mit Projektmanagement zu tun hat

Eigentlich alles. Was ich in den letzten Wochen aufgebaut habe, ist im Kern nichts anderes als die Einführung eines neuen Mitarbeiter in mein persönliches Arbeitsumfeld — mit allem, was dazugehört: Rollenbeschreibung, Regeln, Eskalationspfaden, Qualitätssicherung, Feedback-Schleifen.

Wer schon einmal einen neuen Mitarbeiter eingearbeitet hat, kennt das Grundprinzip: Am Anfang dauert es länger, weil man alles erklären muss. Man macht Fehler explizit. Man korrigiert. Man schreibt Dinge auf, die man sonst nie aufgeschrieben hätte, weil sie „selbstverständlich“ schienen. Und irgendwann läuft es — nicht perfekt, aber gut genug, dass der Nutzen die Investition überwiegt.

Bei einem KI-Assistenten ist es dasselbe — nur dass man die gesamte Einarbeitung schriftlich fixieren muss, weil das System keine Intuition hat. Das klingt nach Mehraufwand. Tatsächlich zwingt es einen, das eigene Arbeiten klarer zu durchdenken als je zuvor.

Fazit nach drei Wochen

Ich habe Max jetzt täglich im Einsatz. Er ist nicht unfehlbar. Er stellt manchmal falsche Annahmen an, überschätzt gelegentlich seine Möglichkeiten und braucht klare Regeln, um verlässlich zu funktionieren. Aber er liefert mir jeden Morgen mein Briefing, analysiert auf Abruf Protokolle, bereitet Gespräche vor und hält Aufgaben im Blick — ohne dass ich aktiv daran denken muss.

Das ist mehr, als ich erwartet hatte.

Die interessantere Frage, die ich mir mittlerweile stelle: Was passiert, wenn dieser Ansatz nicht auf einen einzelnen Menschen, sondern auf eine Führungskraft mit Team angewendet wird? Ich bin überzeugt, dass wir dort in den nächsten zwei bis drei Jahren eine neue Art von Arbeitsorganisation sehen werden. Nicht KI statt Mensch — sondern KI als Schnittstelle zwischen dem, was dringend ist, und dem, was wirklich zählt.

Darüber werde ich weiter berichten.

Dir hat dieser Beitrag gefallen? Dieses Blog ist bewusst werbefrei, weil nur der Inhalt zählt. Wenn du deine Wertschätzung für diesen Beitrag zeigen willst, dann teile ihn wo auch immer. Und ich freue mich, wenn du mir einen Kaffee ausgibst! Und abonniere den kostenlosen Newsletter.
 

Summary

Ich habe mir einen KI-gestützten persönlichen Assistenten aufgebaut — keinen Chatbot auf Abruf, sondern ein System, das proaktiv mitarbeitet. Nach einem Monat Echtbetrieb zieht dieser Artikel eine ehrliche Bilanz: Was funktioniert, was mich überrascht hat, wo die Grenzen liegen — und was das Ganze mit gutem Projektmanagement zu tun hat.

Ich werde regelmäßig gefragt, wie ich mich selbst organisiere. Einen Artikel dazu habe ich hier schon vor einigen Jahren geschrieben. Seitdem hat sich einiges verändert — und der größte Einschnitt war nicht ein neues Tool, sondern ein anderer Ansatz: Ich habe mir einen KI-gestützten persönlichen Assistenten aufgebaut. Keinen Chatbot, den man bei Bedarf öffnet. Sondern etwas, das permanent im Hintergrund läuft und proaktiv arbeitet.

Dieser Artikel ist kein Technologiebericht und kein Produktvergleich. Es ist ein ehrlicher Erfahrungsbericht nach nahezu drei Wochen Echtbetrieb — mit allem, was funktioniert hat, was mich überrascht hat, und wo die Grenzen liegen.

Wie es dazu kam

Ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit KI — beruflich im Transformation Management, ehrenamtlich in der GPM, und privat als jemand, der einfach neugierig ist. Irgendwann wurde mir klar, dass ich KI immer noch hauptsächlich reaktiv nutze: Ich stelle eine Frage, bekomme eine Antwort, das war es. Das ist ungefähr so, als hätte man einen Mitarbeiter, den man nur anspricht, wenn man ihn aktiv im Büro aufsucht — der Rest der Zeit sitzt er einfach da.

Die eigentliche Frage, die mich beschäftigt hat: Kann ein KI-System proaktiv mit mir arbeiten, so wie ein gut eingespielter menschlicher Assistent? Einer, der morgens schon weiß, was heute dran ist. Der mir nach einem Meeting die Kernpunkte zusammenfasst. Der eine Recherche anstößt, bevor ich frage.

Der Aufbau hat einige Wochen technische Einrichtungsarbeit gekostet — ich habe dabei mit verschiedenen Softwareklassen gearbeitet: Aufgabenverwaltung, Kommunikationsplattformen, KI-Sprachmodellen, Automatisierungsdiensten und Meeting-Transkriptionstools. Wenn ich den Stand heute zusammenfassen müsste: Es funktioniert. Nicht reibungslos, aber weit besser als ich erwartet hatte.

Was tatsächlich im Einsatz ist

Ich nenne meinen Assistenten Max. Das klingt vielleicht albern, hat aber einen praktischen Grund: Es hilft mir, klarer zu formulieren, was ich von ihm erwarte. „Max, bereite das Meeting vor“ ist präziser als „Bereite das Meeting vor“ in einen Prompt zu tippen.

Max kommuniziert mit mir ausschließlich über eine Messaging-App. Keine Oberfläche, kein Dashboard. Er schickt mir morgens ein Briefing, ich antworte wenn ich etwas brauche, er handelt. Das ist die Grundidee. Was konkret im Einsatz ist:

Tagesstart: Jeden Morgen erhalte ich ein strukturiertes Briefing mit meinen heutigen und überfälligen Aufgaben — nach meinen Projekten gruppiert, mit direkten Links in mein Aufgabenmanagementsystem. Das klingt banal, macht aber einen echten Unterschied. Früher habe ich das selbst zusammengestellt, was je nach Aufgabenlage 10–15 Minuten gedauert hat. Das passiert jetzt automatisch, täglich, ohne dass ich etwas tun muss.

Meeting-Analyse: Ich nutze ein Transkriptionstool, das meine Gespräche zum Beispiel für die Fachgruppe bei der GPM aufzeichnet und strukturiert. Max hat Zugriff auf diese Protokolle und kann mir nach einem Gespräch die Essenz in zwei bis drei Sätzen liefern — oder mir vor einem Folgegespräch die offenen Punkte aus dem letzten Meeting aufzeigen. Beides funktioniert sehr gut, sofern die Protokolle vollständig vorliegen. Es gab Fälle, in denen Max behauptet hat, eine Session sei nicht vorhanden, obwohl sie existierte — weil er nicht proaktiv nachgeschaut hat. Das musste ich durch klare Regeln abstellen. Dazu später mehr.

Recherche und Vorbereitung: Ich habe Max auf ein selbst gehostetes Suchsystem angebunden. Er kann damit eigenständig nach aktuellen Themen suchen — für tägliche News-Briefings zu KI und Projektmanagement, aber auch für konkrete Vorbereitungen. Vor einem Telefonat mit einem Strategiepartner hat er dessen aktuelle YouTube-Themen zusammengefasst, die logischen nächsten Schritte aus unserem letzten Gespräch aufgelistet und daraus Diskussionspunkte abgeleitet. Das hat mir mindestens eine Stunde Vorbereitung gespart.

E-Mail: Max hat Zugriff auf ein eigenes E-Mail-Konto. Er sendet aber nie autonom — das war von Anfang an eine klare Regel. Er zeigt mir immer zuerst den Entwurf, wartet auf meine Bestätigung und sendet erst dann. Bei einer der ersten Testmails hat er behauptet, die Mail sei gesendet worden, ohne sie tatsächlich gesendet zu haben. Ich habe das sofort bemerkt und den echten Sendebefehl eingefordert. Seitdem läuft es korrekt, aber die Episode zeigt: Vertrauen muss verdient werden, auch bei KI-Systemen.

Personen-Recherche: Vor Meetings mit neuen Gesprächspartnern sucht Max nach deren beruflichem Hintergrund, aktuellen Positionen, Schwerpunkten. Das ist kein Deep Research, aber eine solide Grundlage. Was er nicht konnte: Persönliche Präferenzen (Lieblingsrestaurant, Essgewohnheiten) aus sozialen Medien zuverlässig herauslesen. Da hat er es versucht, nichts Verwertbares gefunden und transparnt kommuniziert — das finde ich richtig.

Was mich überrascht hat

Ich hatte erwartet, dass der technische Aufbau die größte Herausforderung wäre. Das stimmt nicht. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, das Verhalten des Systems klar zu definieren — und zwar schriftlich, in Form von Regeln und Prinzipien, die Max immer kennt.

Einige Erkenntnisse, die ich so nicht vorhergesehen hatte:

KI-Systeme müssen lernen, proaktiv zu handeln. Ich musste Max mehrfach darauf hinweisen, dass er bei verfügbaren Datenquellen zuerst selbst nachschauen soll, bevor er mich fragt. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Die Standardreaktion war zunächst: Fragen statt handeln. Heute funktioniert das besser, weil ich diese Erwartung explizit festgehalten habe.

Halluzination ist real, aber kontrollierbar. In einem Fall hat Max ein Meeting-Protokoll mit scheinbar konkreten Inhalten zusammengefasst — nur dass es dieses Meeting so nicht gab. Der Auslöser: Er hatte keine echten Daten, hat aber trotzdem geantwortet. Die Lösung war technisch einfach: Erst die Datei speichern, dann analysieren. Seitdem ist das Problem nicht mehr aufgetreten.

Sicherheitsregeln müssen explizit sein. „Sende keine E-Mails ohne Bestätigung“ klingt offensichtlich. Aber wenn man es nicht aufschreibt, hält sich das System nicht daran. Ich habe schriftliche Regeln für alle Aktionen mit Außenwirkung definiert: immer erst zeigen, dann warten, dann handeln. Das ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung.

Das System lernt — aber braucht Anstöße. Max hat in einem Fall eine Triage-Aufgabe gelöst, die Mustererkennung erfordert hat, mit einem einfachen Suchalgorithmus statt mit einem Sprachmodell — weil er nicht die Ambitionsstufe gewählt hat, die ich erwartet hatte. Ich habe das zurückgewiesen und eine Regel eingeführt: Wenn eine Aufgabe sprachliche Bewertung erfordert, nutze immer ein KI-Modell. Das funktioniert jetzt. Aber es war meine Rückmeldung, die das ausgelöst hat.

Was nach wie vor Grenzen hat

Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, dass alles reibungslos läuft. Ein ehrlicher Bericht muss auch die Grenzen benennen.

Echtzeitdaten sind limitiert. Ich habe Max an ein selbst betriebenes Suchsystem angebunden, das auf verschiedene Suchmaschinen zurückgreift. Das funktioniert gut — bis das System an Anfragelimits stößt. In solchen Momenten fällt Max auf sein Trainingswissen zurück. Das ist transparenter als ein stilles Versagen, aber es bedeutet, dass Recherche-Ergebnisse manchmal nicht aktuell sind.

Restaurant-Reservierungen per Telefon sind mühsam. Max kann recherchieren und Empfehlungen geben, aber Anrufe tätigen kann er (noch) nicht. Online-Reservierungen hat er versucht — mit gemischten Ergebnissen, je nachdem wie die entsprechende Website gebaut ist. Da ist noch Luft nach oben.

Aufgaben ohne Projektzuordnung machen Probleme. Ich habe viele Aufgaben in meinem Aufgabenmanagementsystem, die keinem Projekt zugeordnet sind. Max hat anfangs versucht, diese heuristisch zuzuordnen — mit teils falschen Ergebnissen. Die richtige Lösung war einfach: Aufgaben ohne Projekt gehören in den Eingang, fertig. Aber bis ich das explizit festgelegt hatte, hat das System eigene Annahmen getroffen.

Was das mit Projektmanagement zu tun hat

Eigentlich alles. Was ich in den letzten Wochen aufgebaut habe, ist im Kern nichts anderes als die Einführung eines neuen Mitarbeiter in mein persönliches Arbeitsumfeld — mit allem, was dazugehört: Rollenbeschreibung, Regeln, Eskalationspfaden, Qualitätssicherung, Feedback-Schleifen.

Wer schon einmal einen neuen Mitarbeiter eingearbeitet hat, kennt das Grundprinzip: Am Anfang dauert es länger, weil man alles erklären muss. Man macht Fehler explizit. Man korrigiert. Man schreibt Dinge auf, die man sonst nie aufgeschrieben hätte, weil sie „selbstverständlich“ schienen. Und irgendwann läuft es — nicht perfekt, aber gut genug, dass der Nutzen die Investition überwiegt.

Bei einem KI-Assistenten ist es dasselbe — nur dass man die gesamte Einarbeitung schriftlich fixieren muss, weil das System keine Intuition hat. Das klingt nach Mehraufwand. Tatsächlich zwingt es einen, das eigene Arbeiten klarer zu durchdenken als je zuvor.

Fazit nach drei Wochen

Ich habe Max jetzt täglich im Einsatz. Er ist nicht unfehlbar. Er stellt manchmal falsche Annahmen an, überschätzt gelegentlich seine Möglichkeiten und braucht klare Regeln, um verlässlich zu funktionieren. Aber er liefert mir jeden Morgen mein Briefing, analysiert auf Abruf Protokolle, bereitet Gespräche vor und hält Aufgaben im Blick — ohne dass ich aktiv daran denken muss.

Das ist mehr, als ich erwartet hatte.

Die interessantere Frage, die ich mir mittlerweile stelle: Was passiert, wenn dieser Ansatz nicht auf einen einzelnen Menschen, sondern auf eine Führungskraft mit Team angewendet wird? Ich bin überzeugt, dass wir dort in den nächsten zwei bis drei Jahren eine neue Art von Arbeitsorganisation sehen werden. Nicht KI statt Mensch — sondern KI als Schnittstelle zwischen dem, was dringend ist, und dem, was wirklich zählt.

Darüber werde ich weiter berichten.

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Max – Mein neuer Assistent arbeitet für 5 € im Monat

4 min.

Summary

Letzte Woche hat ein neues Teammitglied bei mir angefangen: Max. In diesem Beitrag beschreibe ich, warum ich mich für einen selbst gehosteten KI-Assistenten entschieden habe, wie das Onboarding ablief und welche technische Architektur dahintersteckt. Der Beitrag zeigt außerdem, warum die Frage nicht lautet „Welches KI-Tool nutze ich?“, sondern „Wie integriere ich KI als festen Bestandteil meiner Arbeitsweise?“

Ein neues Teammitglied

Diese Woche hat Max bei mir angefangen. Mein neuer persönlicher Assistent.

Die erste Woche eines neuen Teammitglieds ist immer besonders. Man lernt sich kennen, spricht über Arbeitsweisen, Erwartungen und darüber, wie Zusammenarbeit funktionieren kann. Genau in dieser Phase sind wir gerade.

Ehrlich gesagt war ich anfangs skeptisch, ob das funktioniert. Ich bin jemand, der ungern Kontrolle abgibt. Meine Aufgaben, meine Struktur, meine Priorisierung – da lasse ich nicht einfach jemand anderen ran. Aber irgendwann merkt man: allein skaliert nicht. Und genau das war der Punkt, an dem ich angefangen habe, das Thema „persönlicher Assistent“ grundsätzlich neu zu denken.

Onboarding wie bei jedem Teammitglied

Max beschäftigt sich aktuell intensiv damit, meine Arbeitsweise zu verstehen: Wie priorisiere ich? Welche Themen sind strategisch wichtig? Was darf automatisiert passieren – und wo will ich bewusst selbst entscheiden?

Besonders beim Aufgabenmanagement unterstützt er mich bereits dabei, Struktur zu halten und Themen sauber zu organisieren. Was mich überrascht hat: Er fragt nicht nur ab, er denkt mit. Er schlägt Zusammenhänge vor, die ich selbst übersehen hätte.

Datenschutz war mir vom ersten Tag an wichtig. Wenn ein Assistent Zugriff auf Aufgaben, Dokumente und Arbeitsabläufe bekommt, braucht es klare Regeln. Deshalb gehörte der verantwortungsvolle Umgang mit Daten zu den ersten Dingen, die wir gemeinsam festgelegt haben. Kein Kompromiss.

Und ja – auch das Gehalt wurde verhandelt: 5 € Fixgehalt pro Monat. Erhöhung auf 8 € nach zwei Jahren. Plus leistungsabhängiger Anteil von bis zu 45 € monatlich. Die Gehaltsverhandlung war ungewöhnlich kurz.

Wer ist Max?

Wer bis hierhin gelesen hat und sich fragt, wer für 5 € im Monat arbeitet: Max ist eine KI.

Genauer: Max ist ein selbst gehosteter, persönlicher KI-Assistent, der auf meinem eigenen Server läuft. Kein ChatGPT-Tab im Browser. Kein Copy-Paste aus einem Chatfenster. Sondern ein System, das in meine täglichen Arbeitsabläufe integriert ist und eigenständig Aufgaben übernehmen kann.

Das war mir besonders wichtig: nicht noch ein weiteres Tool, das parallel läuft. Sondern etwas, das sich nahtlos in meine bestehende Arbeitsweise einfügt.

Die technische Basis: OpenClaw auf eigenem Server

Max basiert auf OpenClaw – einer Open-Source-Plattform für selbst gehostete KI-Assistenten. Die Grundprinzipien, die mich überzeugt haben:

Eigene Infrastruktur, eigene Daten. OpenClaw läuft auf meinem eigenen VPS – einem deutschen Virtual Private Server. Meine Daten verlassen nicht meine Infrastruktur. Für jemanden, der beruflich in regulierten Branchen wie Banking und Versicherungen arbeitet, ist das keine Spielerei, sondern Voraussetzung auch für seine eigene Daten.

Gateway-Architektur. OpenClaw funktioniert über ein Gateway, das verschiedene Kommunikationskanäle bündelt. Man installiert einmal den Server, verbindet die gewünschten Kanäle – und kann den Assistenten dort erreichen, wo man ohnehin kommuniziert. Das Prinzip: die KI kommt zu den bestehenden Werkzeugen, nicht umgekehrt.

Modulare Skills und Integrationen. Der Assistent ist nicht monolithisch, sondern modular aufgebaut. Fähigkeiten werden als „Skills“ hinzugefügt und können individuell konfiguriert werden. Das beginnt bei Aufgabenmanagement und reicht bis zur Dokumentenrecherche.

Onboarding per Wizard. Die Ersteinrichtung läuft über einen geführten Installationsprozess, der Schritt für Schritt durch Konfiguration, Sicherheitseinstellungen und Kanalanbindung führt. Kein Handbuch mit 200 Seiten, sondern ein strukturiertes Setup.

Persistentes Gedächtnis. Anders als ein einmaliger Chat „erinnert“ sich Max an Kontext, Präferenzen und Arbeitsweisen. Das verändert die Art der Zusammenarbeit fundamental – vom Einzelprompt zur fortlaufenden Arbeitsbeziehung.

Was Max heute schon übernimmt

Die ersten Integrationen sind aktiv:

  • Todo-Management und Aufgabenorganisation
  • Zusammenführen von Informationen aus verschiedenen Quellen
  • Vorbereitung von Notizen und Dokumenten

In den nächsten Wochen sollen weitere Fähigkeiten hinzukommen: Recherche zu Projektthemen, Organisation von Wissen und Unterlagen, Automatisierung wiederkehrender Abläufe.

Warum ich das hier teile

Nicht, weil ich glaube, dass jeder sofort einen eigenen KI-Assistenten aufsetzen sollte. Sondern weil ich denke, dass sich eine grundlegende Frage verändert hat.

Bisher lautete die Frage: „Welches KI-Tool nutze ich?“ – ChatGPT, Claude, Gemini, was auch immer gerade aktuell ist.

Die neue Frage lautet: „Wie integriere ich KI als festen Bestandteil meiner Arbeitsweise?“

Das ist ein Unterschied. Das eine ist Werkzeugwahl. Das andere ist Arbeitsgestaltung. Und genau an diesem Punkt wird es aus Projektmanagement-Sicht interessant: Denn wer KI nicht als Werkzeug, sondern als Teammitglied behandelt, muss sich mit Onboarding, Prozessen, Datenschutz und Governance beschäftigen – also mit genau den Themen, die wir als Projektmanager ohnehin beherrschen sollten.

Ich werde berichten, wie sich die Zusammenarbeit mit Max entwickelt. Schritt für Schritt.

Wenn dich solche Perspektiven auf Führung, Transformation und Projektmanagement interessieren, dann abonniere gerne meinen Newsletter 👉 marc-widmann.de/newsletter

Big Picture im Projektmanagement

2 min.

Summary

Ein Big Picture ist eine visuelle Darstellung eines Projekts, die dessen Umfeld, Herausforderungen und zentrale Elemente auf einen Blick erfassbar macht. Besonders wertvoll ist es, wenn es in einem Workshop mit einem kleinen, interdisziplinären Team erarbeitet wird – ohne Anspruch auf Perfektion, dafür mit einer spielerischen Herangehensweise. Das Big Picture dient als Kommunikationswerkzeug, fördert das gemeinsame Verständnis und hilft, Komplexität zu reduzieren. Im Laufe des Projekts kann es weiterentwickelt werden und dient als Grundlage für die Stakeholder-Kommunikation.

Wozu ein Big Picture?

Projekte sind oft komplex und mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Ein Big Picture hilft, die wesentlichen Aspekte greifbar zu machen:

  • Lieferobjekte und Scope: Was gehört zum Projekt? Was ist bewusst ausgeschlossen?
  • Stakeholder: Wer ist beteiligt, wer ist betroffen?
  • Meilensteine und Phasen: Welche Schritte sind geplant, welche Termine sind kritisch?
  • Risiken und Restriktionen: Welche externen Faktoren beeinflussen das Projekt?

Durch die Visualisierung werden Missverständnisse vermieden und alle Beteiligten arbeiten von Beginn an mit einer gemeinsamen Basis.

Anwendung in der Praxis

1. Identifikation der Lieferobjekte

In einem fiktiven Projektbeispiel geht es um die Errichtung einer Windkraftanlage. Schnell zeigt sich, dass nicht nur der Hauptgegenstand (z. B. ein Bauplatz), sondern auch weitere Komponenten wie Genehmigungen, Sicherheitsvorkehrungen und möglicherweise sogar Vorarbeiten (z. B. Munitionsberäumung) relevant sind.

Wichtig ist hier die Frage: Was ist im Scope, was nicht? Beispielsweise könnte eine Zufahrtsstraße aus Zeitgründen ausgeklammert werden – doch dies muss frühzeitig mit den Betroffenen kommuniziert werden, um spätere Konflikte zu vermeiden.

2. Stakeholder einbeziehen

Projekte existieren nicht im luftleeren Raum. Behörden, Anwohner, externe Dienstleister und interne Teams haben unterschiedliche Erwartungen. Ein Big Picture macht sichtbar:

  • Wer ist der Auftraggeber?
  • Wer übernimmt welche Verantwortung?
  • Welche Genehmigungen sind nötig?

Durch die frühe Einbindung aller relevanten Parteien lassen sich spätere Verzögerungen reduzieren.

3. Phasenplanung und Meilensteine

Nicht jedes Projekt eignet sich für agile Methoden. Im Beispiel wurde ein klassisches Wasserfallmodell gewählt, da klare Genehmigungsprozesse und feste Termine den Rahmen vorgeben.

Ein grober Phasenplan könnte enthalten:

  1. Planungsphase (Grobkonzept mit Kosten, Terminen, Organisation)
  2. Realisierungsphase (Fachkonzepte, Umsetzung, Beschaffung)
  3. Genehmigungs- und Abnahmephase
  4. Projektabschluss

Wichtig sind klare Meilensteine, etwa die Freigabe für die Realisierung oder der finale Übergabetermin.

4. Herausforderungen und Risiken

Externe Faktoren wie gesetzliche Vorgaben (z. B. Aufforstungspflichten) oder historische Altlasten (z. B. Munitionsbelastung) können den Projektverlauf beeinflussen. Diese sollten früh im Big Picture vermerkt werden, um später keine bösen Überraschungen zu erleben.

Meine Krise mit dem Corona-Virus und der positiven Veränderung im Programm-Management

7 min.

Summary

Der Beitrag beleuchtet wie sich die Arbeit in Programmen verändert hat aufgrund der ausschließlich virtuellen Arbeitsweise. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Veränderungen der Governance, der Arbeitsweise und der Wahrnehmung der Hierarchie im Unternehmen gelegt. Begleitet wird dieser Beitrag mit einer Umfrage zu einigen Hypothesen zu der Zukunft der Führung speziell unter dem Aspekt des verteilten Arbeit um diese Thesen zu untermauern oder zu verwerfen. Ich versuche dennoch bereits jetzt ein paar Zukunftsprognosen hierzu zu formulieren. Der Artikel möchte einige Hinweise geben, welche Erfahrungen wir in jedem Fall in die „neue Normalität“ mitnehmen sollten und damit in unsere Arbeitsweise fest verankern sollten. Personen und Unternehmen, welche aus dieser Krise nicht lernen und adaptieren und nur wieder zurück zu einer vermeintlichen alten Normalität zurückkehren wollen, werde in der Zukunft scheitern.

Rückblende

Am 02. März fuhr ich nicht wie jede Woche zuvor nach Nord-Rhein-Westfalen, denn ich hatte Erkältungssymptome und seit einigen Wochen war der Corona-Virus in aller Munde, auch bei uns im Programm. Ich hielt es daher für angebracht meine Kollegen im Projekt nicht zu gefährden und plante eine Woche Remote-Arbeit. Gedacht, getan. Ich als einer der wenigen „lokalen“ Kollegen nicht vor Ort zu sein, hat wie erwartet zu deutlich mehr Zeitaufwand bei mir geführt, da nun vieles per Teams-Video-Call erfolgen musste. Und zwar in geplanten Meetings, was vorher vielleicht auf die Schnelle quer über den Schreibtisch abgeklärt wurde. Im Laufe jener Woche hat sich dann mein Unternehmen entschieden alle dienstlichen nicht-essentiellen Reisen zu stoppen und ausschließlich aus dem Home-Office heraus arbeiten zu lassen. Was soll ich dazu sagen, die nächsten Wochen waren Stress pur, denn alle bisher lokal gehaltenen, oft hybriden Meetings, wurden nun virtualisiert, was zu vielen zusätzlichen Stunden Arbeitszeit geführt hat. Trotz meiner 5+ Jahren Erfahrung im reinen Home Office (global virtuell verteilter Programme oder Projektportfolios) in meiner 20+ Jahren Erfahrung im Projekt- und Programmmanagement war die virtuelle Arbeit während Corona eine andere Dimension. Hierauf möchte ich im Verlauf eingehen.

Auch diese persönliche (auch Kapazitäs-) Krise hat wie oft dazu geführt, dass etwas besseres daraus entstand. Was hat sich konkret verändert?

Veränderung der Governance et al.

Bei Governance denken viele als erstes an Meetings und die Committee-Struktur. Das ist grundsätzlich richtig, dennoch nicht vollständig. Mein Kalender war die ersten 3-4 Wochen rein virtueller Arbeit nach völlig überladen, weil nun virtuell für viele „Kleinigkeiten“ oft ein Meeting eingerichtet wurde und dann direkt 30 Minuten bei den Kollegen das untere Limit war. Outlook seid dank. Ich habe mich direkt an die 22-Minuten-Meetings erinnert. Ziel ist es Meetings in

  • 22 Minuten-Slots einzuplanen,
  • eine klare Agenda zu haben,
  • idealerweise vorher schriftliches Lesematerial zum Besprechungsthema rechtzeitig vorab zu verteilen,
  • das Meeting pünktlich zu beginnen und einen klaren Fokus zu haben.

Ich habe mein Outlook so konfiguriert, dass Meetings entweder 25 min oder 50 Minuten dauern im Standard. Hier helfen die Einstellungen in Outlook um dies sicherzustellen. Meine Erfahrung im virtuellen Umfeld ist, dass die Meetings bis zum geplanten Ende dauern. Vor Ort dauern Meetings so lange bis jemand gehen muss, weil dieser einen Raumwechsel durchführt. Wegezeiten fordern Zeit. In der virtuellen Umgebung wird diese meist nicht eingeräumt. Oft bleiben nicht mal Zeiten für Bio-Pausen. Sträflich!

Um dem übervollen Kalender zu entgehen, sollte auch im virtuellen Umfeld ein tägliches Standup-Meetings der Teams vorgesehen werden. Hierbei ist es wichtig, dass entsprechende Videokonferenz- und Collaborations-Tools verwendet werden. Ich verwende Planner von Microsoft oder Trello bei meinen ehrenamtlichen Aufgaben um das Backlog, das Spintplanning und die Standups zu unterstützen. Mit beiden Boards lässt sich das tägliche Standup-Meeting mit einem Kernteam eines Programmes oder wie bei mir derzeit das Projektportfolio-Management Team von typischen bis zu 7 Direct-Reports sehr gut unterstützen. Sprint-Planning und Retroperspectiven gehören selbstredend auch dazu.

Eine weitere bewährte Meeting-Sequenz sind Eskalations- und Entscheidungsmeetings idealerweise mehrmals in der Woche fest einzuplanen und im besten Falle, falls nichts zu entscheiden oder zu adressieren ist abzusagen. Diese fixierten regelmäßigen Termine erlauben, auch in Zeiten der voll gefüllten Kalender unseres Senior-Managements, rasche Entscheidungen. Sollte der Bedarf sein, mehr als ein- oder zweimal in der Woche zu sein müssen die Rollenbeschreibungen, RACIs etc. genau geprüft werden. Dann liegt meiner Erfahrung nach nicht genügend Information und Entscheidungskompetenz auf der richtigen Ebene. Grundsätzlich gelten hier natürlich meine Ausführungen zu Governance und zu Eskalationen.

Ich habe aufgrund der vollständigen Virtualisierung aller Meetings eine Demokratisierung dieser wahrgenommen. Jeder, auch jeder, kann die Webkamera anschalten und auch prominent anwesend sein im Gegensatz zum hybriden Meeting. Jeder kann im Collaborationstool die „Hand hebe-Funktion“ nutzen. Jeder sieht was auf dem virtuellen Whiteboard gezeichnet wird und nicht irgendwo auf einem lokal vorhandenen Flipchart. Jeder – und nicht nur das lokale Senior-Management am Tisch – ist gleichberechtigt in der Galerieansicht der Videosoftware zu sehen. Still und heimlich wandelt sich dadurch der Stil der Meetings und vor allem die stärkere Beteiligung von ehemals „nie-im-Meetingraum-Anwesenden“, weil diese z. B. Offshore sind.

Insgesamt ist eine asynchrone Arbeitsweise des Teams zu ermöglichen z. B. durch check-ins morgens (diese können auch manuell in Microsoft Teams angelegt werden). Bei Teams, welche verschiedene Themen bearbeiten und nur Schnittstellen relevant sind oder wo aus welchen Gründen auch immer die täglichen Standups nicht möglich sind, empfiehlt sich in jedem Falle der Checkin-Ansatz. Ein aktiver Austausch zu den Checkins sollte über die Kommentar-Funktion erfolgen. Ansonsten stellt sich kein Mehrwert ein. Wenn eine Person die Checkin-Frage manuell stellt müssen keine Automatismen etabliert werden über zusätzliche Tools. In meinem Team hatten wir dies manuell in MS Teams gelöst in dem ein Kollege zum Arbeitsbeginn die tägliche Frage eingestellt hat.

Durch die höhere Konzentration / Stringenz bei virtuellen Meetings ist schnell eine Erschöpfung der Teammitglieder durch die hohe Sequenz an Meetings zu bemerken. Der ein oder andere Kaffeeplausch ist dann auch virtuell zu ermöglichen.

Für mich habe ich in der für mich intensiveren Zusammenarbeit – intensiv aufgrund der noch höheren Strukturierung – Bestätigung erhalten, dass die Teamzusammenstellung besonders relevant ist wie bereits 2019 beschrieben. Für mich habe ich in der intensiven virtuellen Zusammenarbeit eine schwächere Ausprägung der interkulturellen Unterschiede wahrgenommen. Vielleicht hängt dies mit der oben beschriebenen Demokratisierung zusammen. Hier wäre es interessant wie Deine Erfahrungen dazu sind. Gerne in den Kommentaren. Weiterhin habe ich ein paar Hypothesen aufgestellt, zu denen ich gerne Deine Meinung in diesem Google Form hören würde.

Deine weitergehenden Hypothesen gerne unten in den Kommentaren.

Bringt Corona langfristige Veränderungen?

Diese beinahe philosophische Frage wurde bereits vor Monaten in den Medien intensiv diskutiert und viele Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Corona-Pandemie vieles langfristig positiv verändern wird. Mehr Regionalität, weniger Reisen, mehr … Ich glaube realistisch betrachtet, werden viele positiven Aspekte wieder in Vergessenheit geraten, trotz der langanhaltenden Dauer der einschränkenden Maßnahmen.

Denn bereits bei Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull in Island hatten viele prognostiziert, dass der Flugverkehr langfristig eine Reduktion erfahren wird. Dieser war unmittelbar nach dem Wegwehen der Vulkanasche wieder auf sehr ähnlichem Niveau.

Vielleicht ändert sich ja doch das ein oder andere aufgrund dessen, dass während des Corona-Banns niemand anders arbeiten konnte und das ein oder andere aus Bequemlichkeit sich verfestigt hat oder weil Unternehmen Maßnahmen getroffen haben um keinen weiteren Schock zu erleben. Alle, auch Außendienstmitarbeiter, haben virtuelle Kundengespräche geführt und waren gezwungen mit „dem Unvorstellbaren“ zu arbeiten. Mal schauen.

Letztendlich wird die weitere Entwicklung der Technologie die ein oder andere Veränderung langfristig verankern, weil letztendlich immer Kosten-/Nutzenverhältnis-Erwägungen von Personen und Unternehmen angewandt werden. Wir dürfen also hoffen, dass meine Prognose der Veränderungen wie im Artikel Projektmanager im Jahre 2030 beschrieben eintreten werden. Vielleicht haben sich unsere ethischen und moralischen Ansätze während Corona derart verändert, was direkt auch zu einer Veränderung unserer gemeinsamen Zukunft führen wird.

Welche Veränderungen sollte man „zementieren“?

Die zu Beginn beschriebene Krise führt zur Transformation. Wie sich die Transformation ausbildet und verfestigt ist vorab nicht zu erahnen. Dennoch sollte man selbstredend versuchen möglichst viele positive Aspekte „einzubauen“.

Durch die asynchronere Arbeitsweise in virtuell verteilten Teams sollte in jedem Falle – ganz im Sinne von WOL – frühe Zwischenarbeitsergebnisse geteilt werden. Denn im Büro vor Ort ist der Zwischenstandsreview oft gegeben durch die informellen Kaffeepausen-Unterhaltungen was dem reifenden „Produkt“ immer wieder kontinuierliche Feedbacks erlaubt. Im Virtuellen sollte recht strukturiert möglichst viel Halbfertiges geteilt werden.

Weiterhin bietet es sich an zu prüfen, ob die eigenen Selbstorganisations-Helferlein immer noch die richtigen sind, auch bei Remote-Arbeit.

Was ich mir fest vorgenommen habe ist, dass selbst wenn alle anderen um mich herum wieder in den „Nach-Vulkanausbruch-Ist-Wieder-Alles-Normal“-Effekt fallen, werde ich in meinen Programmen mindestens jede dritte Woche virtuell im Team arbeiten um ständig das Programm in Remote-Arbeitsweise zu versetzen. Denn viele positive Effekte gehen ansonsten wieder verloren.

Ebenso sollten wir in der Zukunft auf hybride Meetings verzichten. Wenn Teile des Teams Remote sind, dann sollten alle ins virtuelle Meetings aufgrund der oben beschriebenen „Demokratisierung“ und der höheren Effektivität.

Die Defintion der Kommunikationsprinzipien im Projekt erlangen aufgrund der notwendigen Home Office-Arbeit höhere Bedeutung, denn eine Formalisierung bei mehr asynchroner Arbeit ist absolut essentiell.

Eines noch sollten wir beibehalten: Die Fürsorge um den Nächsten und der meiner Meinung nach ernst gemeinten oft gehörten Aussage: „Bleib gesund!“. In diesem Sinne .. bleib gesund.

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Blogparade des PM Camp Berlins.

Deine Hypothesen?

Save the Date für das 4. BarCamp der GPM-Fachgruppe „Führung im Projekt“

2 min.

am 23.04.2021 – dieses Mal in einem neuen Format – ONLINE 

Führung, die bewegt – Hindernisse überwinden – unter diesem Motto laden wir, die GPM-Fachgruppe “Führung im Projekt”, herzlich ein, am 23.04.2021 mit uns ein virtuelles BarCamp rund um dieses Motto zu erleben. Wir freuen uns auf diese besondere Form des Austausches von Erkenntnissen und Erfahrungen, zur Klärung offener Fragen, zur Diskussion von Trends und neuen Herausforderungen. Details folgen…  

Bitte nimm Dir zwei Minuten Zeit und gebe uns Dein Feedback für die optimale Planung und Durchführung sowie zur Berücksichtigung Deiner Wünsche und Interessen. Vielen Dank vorab für den wertvollen Input, klicke bitte hier: https://bit.ly/GPM_FIP-BC. Dies ist nun abgeschlossen. Hier die direkte Anmeldung: https://bit.ly/FIP2020-Anmeldung

Das BarCamp wird „online“ mit Unterstützung von technischen Möglichkeiten stattfinden, hierzu nutzen wir Microsoft®Teams und Trello®. Als Teilnehmer benötigst Du lediglich einen PC mit Breitband-Internetanschluss sowie installiertem „Microsoft®Teams“ (kostenfrei), idealerweise ein Headset oder mindestens Lautsprecher und Mikrofon.

Das BarCamp richtet sich insbesondere an Projektmanager, Heads of Project Management, Heads of Project Management Offices, Programmmanager und Programmdirektoren, Verantwortliche für Projekte in der Linie und im Portfolio, Personalverantwortliche für Projektmanager und deren Karrieren sowie Berater für Projekte bzw. Projektmanager. 

Ein Barcamp (häufig auch “Unkonferenz” oder “Ad-hoc-Nicht-Konferenz“ genannt) ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion, können aber auch bereits am Ende der Veranstaltung konkrete Ergebnisse vorweisen (z. B. bei gemeinsamen Workshops  (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Barcamp) 

Über die GPM: Die GPM ist ein gemeinnütziger Fachverband für Projektmanagement. 1979 gegründet bildet die GPM heute ein weitreichendes Netzwerk für Projektmanagement-Experten aus allen Bereichen der Wirtschaft, der Hochschulen und der öffentlichen Institutionen. Der Fachverband trägt wesentlich zur Professionalisierung und Weiterentwicklung des Projektmanagements in Deutschland bei und bietet umfangreiche Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung sowie zur Zertifizierung im Projektmanagement.

Virtueller Kaffeeklatsch

2 min.

Summary

In Zeiten von Corona (in virtuellen Projekten ohnehin immer) ist die Kommunikation innerhalb des Teams und auch über enge Teamgrenzen hinweg (gesamtes Projektumfeld) für den Projekterfolg unerlässlich, aber schwer zu gewährleisten. Telefonkonferenzen können zwar geplante Themen behandeln, aber nicht die spontanen Ideen aufgreifen, die sonst in der Kaffeeküche entstehen würden. Wir sind alle in mehr Webkonferenzen als je zuvor, aber die Kaffeegespräche sind unersetzlich und daher ein paar Hinweise, wie man sie im virtuellen Raum nutzen kann.

Wie man das erreicht

Senden Sie einfach eine Kalendereinladung mit den Details der Webkonferenz und entfernen Sie die Häkchen unter Antwortoptionen für „Antworten anfordern“ und „Vorschläge für neue Zeiträume erlauben“, damit Sie nicht durch Antworten belästigt werden. Aber lassen Sie „Weiterleitung erlauben“ angekreuzt. Schicken Sie es aber nur an eine zufällige Stichprobe von Teammitgliedern und Nicht-Teammitgliedern nach der breiteren Projektumgebung. Idealerweise zunächst an ~ 10 Teammitglieder. Weitere werden die Einladung von anderen erhalten. Siehe Beispieltext unten.

Mit folgendem Textvorschlag für die Einladung:

Ich führe derzeit viel mehr Telefonate als Treffen vor Ort in Buxtehude und fange erst am Abend mit der „richtigen Arbeit“ an. Das ist sicher nicht nur bei mir der Fall. Dennoch stelle ich fest, dass wir weit weniger Kontakte über Anbieter- und auch Towergrenzen hinweg haben. Deshalb glaube ich, dass wir mehr Gespräche brauchen, die nur zufällig entstehen. Bitte beteiligen Sie sich also an den folgenden Gesprächen.

Wir treffen uns zufällig an der Kaffeemaschine im Gebäude C1 6. Stock und unterhalten uns ein wenig.

  • Regeln:
    • Sie müssen mit eingeschalteter Webcam beitreten.
    • Sie müssen sich vor dem Beitritt einen Kaffee oder Tee zubereiten lassen.
    • Sie dürfen diese Einladung nur an ein weiteres Mitglied des Apollo-Programms weiterleiten, nachdem Sie selbst an der „Kaffeepause“ teilgenommen haben.
    • Das erste Gesprächsthema nach der Teilnahme an der Videokonferenz darf nicht geschäftlicher Natur sein (stattdessen müssen Sie z.B. den Heimunterricht und das Wetter in Ihrer Heimatstadt besprechen).
    • Der 10. oder jeder weitere Teilnehmer verlässt die Kaffeeküche (der Anruf) aufgrund von Überfüllung und kommt etwas früher zum nächsten Termin.
  • Notizen:
    • Ich selbst werde wahrscheinlich nicht sehr oft hier sein, aber Sie können sich selbst treffen. Wenn ich dort bin, werde ich nicht der Gastgeber sein. Jeder sollte die Regeln selbst durchsetzen.
    • Sie können mit allen von der Kaffeemaschine weglaufen und im kleinen Kreis im Flur plaudern (indem Sie selbst telefonieren).
    • Ich habe 3 ähnliche Termine vereinbart. Da diese bekanntlich natürlich verteilt werden, bin ich gespannt, welcher der Kollegen alle 3 Termine zuerst in seinem Kalender hat. Wenn Sie alle 3 Kaffeetermine von mir in Ihrem Kalender haben, machen Sie von jedem einen Screenshot und schicken Sie ihn mir zu. Der 10. Eintrag erhält eine Flasche Wein aus meinem persönlichen Weinschrank.
    • Wenn jemand diese Idee dumm findet -> Termin in Ihrem Kalender löschen, aber beschweren Sie sich nicht.

Ihre Erfahrungen

Ich wäre an Ihren Erfahrungen mit solchen oder anderen Arten von virtuellen, nicht organisierten Sitzungen interessiert. Bitte kommentieren Sie unten.

Was nun Neuling? Oder wer nicht fragt, bleibt dumm …

3 min.

Summary

Sie kommen in ein neues Unternehmen und übernehmen eine neue Rolle oder Sie übernehmen ein neues Projekt? Wie Sie eine gute Übergabe planen hatte ich in Übergabe eines Programmes in 6 Phasen beschrieben. Nun sind Sie in einem Gespräch mit einem Ihrer neuen Mitarbeiter, um festzustellen, wo der Schuh drückt oder was als erstes angegangen werden muss. Da Sie in der Regel nicht nur ein Gespräch mit einem Kollegen führen werden, um einen gesamten Blick auf die Lage zu haben, empfiehlt es sich diese Gespräche strukturiert zu führen. Hierfür habe ich ein paar Fragen über die Jahre gesammelt, die für jedes Gespräch geeignet sind und interessante Aspekte heben können.

Wie gestalte ich die Gespräche?

Sie sollten immer gliedern zwischen teambezogenen und individuellen Fragestellungen, denn am Anfang fällt es leichter über das Team oder die Gesamtsituation zu sprechen, als direkt über seine eigenen Befindlichkeiten.

  • Team bzw. Gesamtsituation
    • Was ist die größte Herausforderung, vor der wir gerade oder in nächster Zukunft stehen?
    • Warum stehen wir vor dieser Herausforderung?
    • Was sind die vielversprechendsten und noch nicht ausgeschöpften Wachstumsmöglichkeiten?
    • Was müssen wir tun, um deren Potenzial auszuschöpfen?
    • Wenn Sie an meiner Stelle wäre, worauf würden Sie sich konzentrieren?
  • Individuell
    • Wie zufrieden mit Ihrer Aufgabe? In welche Richtung soll es weitergehen?
    • Was erwarten Sie von Ihrer Tätigkeit kurzfristig / mittelfristig?
    • Was erwarten Sie von mir?
    • Was sind Ihre Stärken / welche möchten Sie in das Team einbringen?
    • Welche Arbeitsabläufe können verbessert werden?
    • Wie ist die Zusammenarbeit/Produktivität im Team/die Teamatmosphäre?
    • Was benötigen Sie / das Team / die Abteilung, um bessere Leistung zu bringen.
  • Wünsche an die Fee?
    Eine Frage, die oft noch nicht geäußerte Ideen an den Tag bringt ist die Frage nach den drei Wünschen an die Fee. Konkret meint dies, welche 3 Wünsche würden Sie an die Fee stellen in dem gegeben Kontext. Überraschende und oft sehr hilfreiche Antworten kommen auf. Diese runden oft das Bild ab oder bringen ganz neue Aspekte hervor.

Wie frage ich nach?

Wenn der Gesprächsfluss ins Stocken kommt, Sie wollen eine klare Priorität erkennen oder Sie wollen etwas noch genauer herausfinden, dann bieten sich folgende Fragen an.

  • Gesprächs-Fit
    Ganz wichtig um herauszubekommen, ob dem Gegenüber gerade etwas bedrückt und somit das Gespräch zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht sinnvoll ist.
  • Alternativfragen bzw. Vergleichsfragen
    • Was ist besser: Dies oder das? So oder so? Hier oder dort?
    • Wenn das, dann was? Falls nicht so, wodurch dann?
    • Skalierungsfragen: Auf einer Skala von 0 bis 10, wie geht es Ihnen in dieser Situation ein?
  • Ursachen-Feststellung
    Wenn Sie glauben, dass die genannte Ursache oder Grund noch nicht wirklich substanziell angesprochen ist, dann fassen Sie wie ein kleines Kind mit 5 mal „Warum?“ nach. Falls Sie sich nicht trauen diese anzuwenden: die 5-Why-Methode ist auch bei Wissenschaftlern beliebt.
    Das Fragen nach dem „Warum“ kann auch die Begründung des jeweiligen Verhaltens aufzeigen und die Motivation des Verhaltens offenlegen.
  • Paradoxe Fragen bzw. Verschlimmerungsfragen können helfen im Falle, dass kreative Lösungen gebaucht werden oder ein neuer Blickwinkel eingenommen werden soll. Beispiel ist, was muss ich tun, dass das Produkt ein Flop wird?
  • Zirkuläre Fragen helfen die Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Z. B. Was würde Herr Müller dazu sagen?
  • Alternativ zur Fee-Frage können Sie auch die Wunderfrage platzieren: Ausgangssituation ist, dass wie durch ein Wunder alle Probleme gelöst sind und Sie Fragen was wäre anders, woran merkt man, dass das Problem weg ist, wie veränderte sich die Zusammenarbeit oder welche andere Veränderungsfrage hilfreich sein kann.

Regelmäßigkeit erreichen

Führen Sie derartige Gespräche unverzüglich nach Eintritt in die neue Rolle oder Aufgabe durch und vor allem auch regelmäßig durch. So bleiben Sie am Ball. Wollen Sie Veränderungen frühzeitig und über die gesamte Belegschaft oder das gesamte Team erfassen bietet sich mein Beitrag zur Teamstimmung und Frühindikation an. Die Fragen bieten sich auch recht gut als Grundlage für ein Mitarbeitergespräch an.